Die Lucke

Im Jahre 1855, in einer politisch sehr bewegten Zeit, lag das gesellige Leben in Vöcklabruck im Allgemeinen vollständig darnieder.

Es bestand damals im Gasthaus "Zur alten Post" der Frau Rochart (nachmals Joh. Fruhstorfer-Menschik, später Karl Lenzeder, jetzt Volkskreditbank) eine Tischgesellschaft, welche sich die "fröhliche Sippschaft" nannte. Diesem kleinen Kreis gehörten die Brüder Martin und Isidor Braun aus Schöndorf, der Urgroßvater des heutigen Ritters Isidor, Leopold Braun aus Puchheim, die akademischen Maler Blumauer und Wallhammer, Lehrer Jungwirth, Postmeister Winkler und Gastwirt Bartsch an.

Gleichzeitig bestand auch im Gasthof "Zu den drei Mohren" (neben Gasthof "Zur alten Post") der Ehegatten Forsthuber ein kleiner Kreis lebenslustiger junger Männer, bestehend aus Dr. Huber, Dr. Plattner, Dr. Glanz, ferner Sieghart und von Payr.

Beide Tischgesellschaften verfolgten den gleichen Zweck, und zwar die Pflege der Freundschaft und Geselligkeit, unter Vermeidung jedweder politischer Erörterung. Dieser gemeinsame Zweck brachte die beiden Gesellschaften einander nahe und vereinigte sie im Jahre 1855 zu einer Sippe.

Als Stammlokal wählte sich die Paixhanslia die "Lucke" im Gasthaus Forsthuber.

ln den ersten Jahren blieben die Luckenbrüder der Paixhanslia schon wegen des Mißtrauens, welches die Behörden dieser Gesellschaft entgegen brachten, streng unter sich.

Der Wahlspruch: "Deutsch, frei und ehrenhaft", den die Paixhanslia auf ihre Fahnen schrieb, die Zeremonien bei feierlichen Anlässen, Trompetenschall und die Detonationen der kleinen Paixhanslia Kanone bei den Taufen neuer Mitglieder, die oft aus der Lucke erschallten, gaben Anlaß zu diesem Mißtrauen und zu strenger Überwachung durch die Gendarmerie. Den Paixhansln aber lag nichts ferner als Politik in ihrem Freundeskreis und als die aufgestellten Horchposten dies melden konnten, schwand auch alsbald das Mißtrauen der Behörde.

Die Sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts waren die Glanzepoche der Paixhanslia.

Im Jahre 1862 trat die Paixhanslia in die Öffentlichkeit. Anfangs 1862 erfolgte der Eintritt des späteren Bürgermeisters, Dr. Alois Scherer, und dieser gab als Empfangsmeister der Tätigkeit der Paixhanslia eine ganz neue Richtung nach außen hin.

Die großartigen Feste, welche den Ruf der Paixhanslia begründeten, fallen in diese Zeit. Zum Beispiel die Aufführung des antiken Trauerspieles "Kaiser Nero" im Fasching 1864, dem der ganze Stadtplatz als Theaterbühne diente.

Große Feste der Paixhanslia bildeten die Tagungen des vereinigten Tiroler O.Ö. Landtages, einer humoristischen Gesellschaft, in Vöcklabruck von 1864 bis 1870, an denen über 100 Gäste teilnahmen.

Das Faschingsfest im Jahre 1867 fand im Zeichen einer großen Weltausstellung statt, die durch Napoleon III. persönlich eröffnet wurde. Auch die siebziger und achtziger Jahre weisen eine sehr große Zahl von Veranstaltungen auf.

Über die Silvesterfeier 1886/1887 heißt es in der damaligen Lokalpresse, dem „O.Ö. Gebirgsboten": „Es waltet ein günstiger Stern über den Arrangements der Paixhanslia - sie mag was immer in die Hände nehmen, alles gelingt."

Der Ertrag solcher Veranstaltungen kam laut den Berichten den Stadtarmen zugute.

Im Zeitungsbericht über den Ausflug der Paixhanslia auf den Gaisberg im Sommer 1887 kommen das Wesen der "alten" Paixhanslia und die augenscheinliche Parallele zur Schlaraffia ganz besonders schön zum Ausdruck:

"Der Ausflug der Paixhanslia ist gleichbedeutend mit einem Fest, wo Gemütlichkeit und Fröhlichkeit vorherrscht und Jokus seine Schellenkappe schwingt und wo jeder an einem solchen Tage Sorge und Kummer bei Seite setzt und sich der ungetrübten Heiterkeit hingibt. Aus den heiteren Mienen war zu lesen, daß ein Jeder seinen Humor in der Westentasche mitbrachte und fröhlich mit den Fröhlichen einen glücklichen Tag verleben wollte."

An den Veranstaltungen der Faschingszüge und Theateraufführungen hatte Isidor Braun, der lustige Stabtrompeter Hämmerle, hervorragenden Anteil.

Die Jahre 1890 bis 1910 waren die ruhigsten während des Bestandes der Paixhanslia.

Am 9. November 1898 ist der Mitbegründer und erste Hauptmann der Paixhanslia, Fabrikant Martin Braun, gestorben. Er war der Paixhanslia durch 43 Jahre ein treuer und erfolgreicher Führer.

Als Nachfolger wurde sein Bruder, Isidor Braun, gewählt, der am 23. Juni 1907 gestorben ist. Dessen Sohn, Ing. Isidor Braun {der Großvater von Ritter Isidor}, folgte als dritter Hauptmann der Paixhanslia und war an deren Wiederaufstieg, in den Jahren 1911 bis zu seinem am 1. März 1925 erfolgten Ableben, erfolgreich tätig. Von 1909 bis 1911 kam wieder frisches Leben in die Paixhanslia; der Mitgliederstand verdoppelte sich und am 7. Feber 1911 fand bereits im Saale des Gasthofes "Zu den drei Mohren" ein Familienabend statt.

 

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Sippungstag:

Montag Glock 8 d. A..

Atzung ab Glock 7 d. A.